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Volles Haus bei Podiumsdiskussion: Alkohol zwischen Genuss und Risiko

Aktionswoche Alkohol: Chefarzt Dr. Achim Gooss im Gespräch mit Expertinnen und Experten aus Weinkultur, Tourismus, Prävention, Sucht- und Selbsthilfe

Auf der Bühne sitzen sieben Expertinnen und Experten zum Thema Alkohol und Kultur Quelle: Foto: DRV/Kirschthaler Auf dem Podium (von links): Claudia Hoffmann (Gästeführerin in SÜW/LD), Jochen Bähr (Bähr Pfalztraube GmbH, Neustadt), Anette Schilling (Fachreferentin der Diakonie Pfalz), Leonard Reiche (Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz), Dr. med. Achim Gooss  (Chefarzt der Fachklinik Eußerthal), Doris Braun (Suchttherapeutin in der Fachklinik), Martin Engelbert (Blaues Kreuz, Pfalz)

Mehr als 100 Besucherinnen und Besucher kamen am Mittwochabend ins Alte Kaufhaus in Landau, um über ein Thema zu diskutieren, das in der Pfalz tief verwurzelt ist: Wein. Unter dem Titel „Alkohol zwischen Genuss und Risiko: Kommen Weinbau und Medizin auf einen Nenner?“ hatte die Fachklinik Eußerthal im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Alkohol zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion eingeladen.

Lebendiger Austausch

Die Resonanz war groß, die Beteiligung des Publikums beeindruckend. Über zwei Stunden entwickelte sich ein lebendiger Austausch zwischen Fachleuten, Betroffenen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Moderiert wurde die Veranstaltung von Leonard Reiche von der Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz.

Auf dem Podium diskutierten Claudia Hoffmann (Gästeführerin in SÜW/LD), Jochen Bähr (Winzer, Bähr Pfalztraube GmbH, Neustadt), Anette Schilling (Diakonie Pfalz), Martin Engelbert (Blaues Kreuz Pfalz e.V.), Doris Braun (Suchttherapeutin der Fachklinik Eußerthal) sowie Dr. med. Achim Gooss, Chefarzt der Fachklinik Eußerthal.

Ab wann wird Alkoholkonsum problematisch?

Im Mittelpunkt standen Fragen, die viele Menschen beschäftigen: Ab wann wird Alkoholkonsum problematisch? Welche Verantwortung tragen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft? Welche Rolle spielen Weinfeste, Traditionen und die Weinkultur in der Pfalz? Und wie kann Prävention gelingen?

Besonders intensiv diskutiert wurde die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol. Aus dem Publikum wurde unter anderem gefragt, ob Jugendliche, die regelmäßig auf Weinfesten Alkohol konsumieren, bereits ein erhöhtes Risiko für eine spätere Abhängigkeit haben. Auch die Forderung nach attraktiveren alkoholfreien Angeboten auf Festen wurde mehrfach geäußert.

Jugendschutzkontrollen bei großen Festen

Dazu merkte der Erste Kreisbeigeordnete, Georg Kern, an, der auch unter den Gästen war, dass aus seiner Sicht viel für die Prävention bei Jugendlichen getan werde, er führte die Jugendschutzkontrollen bei Großveranstaltungen an. Literweise werde hier der mitgebrachte Alkohol der Jugendlichen weggeschüttet. Dabei habe es sich aber weniger um Bier oder Wein gehandelt, sondern eher um Vodka oder Cola-Cognac oder sonstiges in gemischter Form, berichtet Kern. Er habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass sich Eltern mit der Forderung beschwert haben, dass "die Jugendlichen ein Recht auf Rauschempfinden habe". Das unterstütze er keinesfalls.

Mythos: Alkohol kann gesund sein

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage nach möglichen gesundheitlichen Vorteilen von Wein. Dr. med. Achim Gooss erläuterte, dass frühere Studien zwar positive Effekte nahegelegt hätten, die wissenschaftliche Datenlage heute jedoch deutlich kritischer ausfalle. Je umfassender die Forschung werde, desto klarer zeige sich, dass Alkohol aus gesundheitlicher Sicht nicht empfehlenswert sei. Auf alkoholfreien Wein setzt auch Jochen Bähr in seinem Weingut, für ihn benötige ein guter Wein keine Promille.

"Nein" zu Alkohol solle besser akzepiert werden

Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Thema weit über medizinische Aspekte hinausgeht. Martin Engelbert vom Blauen Kreuz betonte, dass sich niemand dafür rechtfertigen müsse, keinen Alkohol zu trinken. Diese Aussage fand bei vielen Anwesenden Zustimmung und löste weitere Diskussionen über gesellschaftliche Erwartungen und Gewohnheiten aus.

Doris Braun richtete den Blick auf die Angehörigen von Menschen mit einer Suchterkrankung. Alkoholabhängigkeit betreffe niemals nur die erkrankte Person selbst, sondern immer auch Familie und soziales Umfeld: "Deshalb beziehen wir die Angehörigen bei der Therapie in der Fachklinik Eußerthal mitein.

Zahlreiche Wortmeldungen

Für besondere Eindrücke sorgten die zahlreichen persönlichen Wortmeldungen aus dem Publikum. Mehrere Besucherinnen und Besucher berichteten offen von ihrer eigenen Alkoholabhängigkeit oder von Erfahrungen im familiären Umfeld. Auch die Schilderung einer ehemaligen Krankenhausmitarbeiterin, die von alkoholbedingten Notaufnahmen bei Jugendlichen berichtete, machte deutlich, welche Folgen problematischer Alkoholkonsum haben kann und wie er auch teilweise von Eltern verharmlost werden kann.

Relevantes Thema und positives Fazit

Trotz unterschiedlicher Perspektiven blieb der Austausch stets respektvoll und konstruktiv. Einigkeit bestand am Ende darüber, dass Aufklärung, Prävention und ein bewusster Umgang mit Alkohol wichtige Voraussetzungen sind, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren. Die große Besucherzahl und die intensive Beteiligung zeigten eindrucksvoll, wie relevant dieses Thema für viele Menschen in der Region ist.

Zum Abschluss zog Chefarzt Dr. med. Achim Gooss ein positives Fazit der Veranstaltung: „Meine Erwartungen haben sich durchaus erfüllt. Sowohl die Personen auf dem Podium als auch die Menschen, die ins Alte Kaufhaus gekommen sind, haben sich lebendig an der Diskussion beteiligt. Unser Ziel war es, die komplexe Thematik zwischen Genuss und Risiko sowie die unterschiedlichen Abwägungen rund um Alkohol breit und ausführlich zu diskutieren. Das Thema interessiert die Öffentlichkeit.“

Lesen Sie hier auch das Interview in der RHEINPFALZ mit unserem Chefarzt (kostenpflichtig, hinter der "Bezahlschranke")

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