Deutsche Rentenversicherung

Vorgespräch per Video und neues Seminar für Medikamentenabhängige

Klinik-Team stellt beim Beratungsstellentreffen Reha-Neuerungen vor

Reger Austausch zwischen den Gästen und den Mitarbeitenden der Fachklinik Eußerthal Quelle: Deutsche Rentenversicherung RLP Reger Austausch zwischen den Gästen und den Mitarbeitenden der Fachklinik Eußerthal

Fast 80 Teilnehmende aus Beratungsstellen und weiteren Einrichtungen aus vier Bundesländern sind beim diesjährigen Beratungsstellentreffen am 27. August in der Fachklinik Eußerthal zu Gast gewesen. Neben dem persönlichen Austausch standen aktuelle Entwicklungen in der Klinik und viele praktische Fragen rund um die Reha im Mittelpunkt.

„Der Beratungsstellentag ist ein Highlight im Jahreslauf, weil der persönliche Kontakt zu den Menschen aus den Beratungsstellen und anderen nachsorgenden Einrichtungen besonders wichtig ist, um besondere Fälle persönlich und menschlich besprechen zu können“, beschreibt Doris Braun, Teamleiterin (BORA-) Sozialdienst und Adaption und Suchttherapeutin in der Fachklinik, die Bedeutung des Treffens.

Auch aus den Reihen der Gäste gab es positive Rückmeldungen: „Das innovative Klinikkonzept und die Kultur des Hauses, die von allen Mitarbeitenden spürbar gelebt wird, haben mich nachhaltig begeistert.“

Neu im Aufnahmeprozess: Vorgespräch bereits vor der Reha

Eine wichtige Veränderung betrifft den Aufnahmeprozess. Die bisherige Aufnahmewoche entfällt. Patientinnen und Patienten werden nun vom ersten Tag an direkt in ihre Bezugsgruppe aufgenommen.

Damit wichtige medizinische und therapeutische Fragen trotzdem bereits vor der Anreise geklärt werden können, wurde ein Teil des Aufnahmeprozesses vorgezogen. In der Regel findet etwa zwei Wochen vor der Aufnahme ein Vorgespräch per Video statt, berichtet Dr. med. Adam Paulig, Oberarzt in der Fachklinik Eußerthal.

In diesem Gespräch wird unter anderem geklärt, ob neben der Suchterkrankung weitere Erkrankungen berücksichtigt werden müssen, welche Medikamente eingenommen werden und ob vor der Aufnahme noch eine Entgiftung erforderlich ist. Wichtig ist: Patientinnen und Patienten müssen bei der Aufnahme entgiftet und frei von Entzugssymptomen sein.

Gleichzeitig können zukünftige Patientinnen und Patienten offene Fragen zur bevorstehenden Reha stellen. Pauligs Erfahrung damit: „Nach zwei Monaten können wir sagen, dass dieses Verfahren sehr gut von den Patienten angenommen wird und ihnen auch Ängste nimmt.“

Am Aufnahmetag selbst erfolgen weiterhin unter anderem die pflegerische und körperliche Aufnahme sowie die Festlegung beziehungsweise gegebenenfalls Anpassung der Medikation.

Neues Seminar zur Medikamentenabhängigkeit

Auch das therapeutische Angebot wurde erweitert. Für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit Medikamentenabhängigkeit oder Medikamentenmissbrauch gibt es ein eigenes Seminar. Unter dem Leitgedanken „Erkennen, Verstehen, Verändern“ umfasst das Seminar zehn Sitzungen à 60 Minuten und ist für bis zu zwölf Patientinnen und Patienten vorgesehen.

Inhaltlich geht es unter anderem um die Fragen:

  • Was ist Medikamentenabhängigkeit?

  • Was passiert bei einer Abhängigkeit im Gehirn?

  • Welche Medikamente können relevant sein und

  • welche Folgen und Risiken können mit ihrem Gebrauch verbunden sein?

Thematisiert werden beispielsweise Benzodiazepine, Z-Drugs, Opioide beziehungsweise Codein und Stimulanzien. Auch individuelle Auslöser und Funktionen des Medikamentenkonsums – etwa Schmerz, Schlaf, Angst, Stress oder Leistungsdruck – werden betrachtet.

Neben der Wissensvermittlung steht die Auseinandersetzung mit den eigenen Konsummustern im Mittelpunkt. Mit Arbeitsblättern, Selbstbeobachtung und Gruppengesprächen sollen eigene Muster erkannt und neue Perspektiven entwickelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nichtmedikamentösen Alternativen, persönlichen Frühwarnzeichen und der Rückfallprophylaxe.

Das Ziel bringt eine Aussage aus dem Seminarkonzept auf den Punkt:

Medikamentenabhängigkeit wird behandelbar, wenn aus "Ich brauche das Medikament‘ ein Ich verstehe, was ich brauche" wird.

Häufig gefragt beim Beratungsstellentreffen

Neben den Neuerungen wurden beim Treffen viele konkrete Fragen aus der Beratungspraxis angesprochen.

Gibt es in der Fachklinik Eußerthal Einzelzimmer?
Ja, die Patientinnen und Patienten sind in Einzelzimmern untergebracht.

Sind die Gruppen nach Alter getrennt?
Nein. In der Fachklinik arbeiten wir mit altersgemischten Gruppen.

Können Haustiere mitgebracht werden?
Nein, Haustiere können während der Rehabilitation nicht mitgebracht werden.

Werden in der Reha auch Angehörige miteinbezogen?
Ja. Die Angehörigenarbeit hat sowohl im Beratungsprozess als auch in der stationären Sucht-Reha einen großen Stellenwert. Dafür gibt es verschiedene Gesprächsoptionen.

In welcher Sprache findet die Behandlung statt?
Die Therapiesprache ist Deutsch.

Was ist bei körperlichen Einschränkungen mit der Sporttherapie?
Körperliche Einschränkungen werden berücksichtigt und die Teilnahme an Bewegungs- und Sportangeboten entsprechend angepasst. Dies gilt auch bei Einschränkungen, bei denen beispielsweise eine Gehhilfe benötigt wird.

Was ist bei bestehendem Pflegebedarf?
Fragen zu einem bestehenden Pflegebedarf können bereits vor der Aufnahme geklärt werden. Über das Patientenmanagement kann dafür ein Kontakt mit der Pflege hergestellt werden.

Was passiert bei einem Rückfall während der Rehabilitation?
Ein Rückfall wird individuell betrachtet. Es gibt hierfür keine starre Regelung, die unabhängig von der jeweiligen Situation angewendet wird.

Wie kann es nach der Rehabilitation weitergehen?
Je nach individueller Situation kann nach der medizinischen Rehabilitation beispielsweise eine Adaption infrage kommen.

Persönlicher Kontakt erleichtert die Zusammenarbeit

Neben allen fachlichen Informationen bleibt der persönliche Austausch ein wesentlicher Bestandteil des Beratungsstellentreffens. Beratungsstellen begleiten viele Menschen bereits vor einer Rehabilitation. Auch nach der stationären Sucht-Reha sind sie wichtige Anlaufstellen für Betroffene. Umso wichtiger ist es, dass Beratungsstellen und Fachklinik ihre jeweiligen Möglichkeiten und Abläufe kennen und miteinander im Gespräch bleiben.

Chefarzt Dr. med. Achim Gooss fasste dies beim Treffen so zusammen: „Es ist wichtig, die Menschen auch persönlich kennenzulernen, und das macht es einfacher in der Zusammenarbeit.“

Das Beratungsstellentreffen bietet deshalb nicht nur die Möglichkeit, über Neuerungen in der Fachklinik Eußerthal zu informieren. Es schafft auch Raum, Erfahrungen auszutauschen, Fragen zu klären und die Zusammenarbeit zwischen Beratung und Rehabilitation weiter zu stärken.

Grundsätzlich gilt: Bei Fragen oder Unsicherheiten sollte möglichst schon im Vorfeld das Gespräch mit der Fachklinik gesucht werden. Uns ist es lieber, offene Punkte frühzeitig gemeinsam zu klären.

Menschen unterhalten sich in der Klinik Quelle: Deutsche Rentenversicherung RLP Viel Raum zum Austausch: das Beratungsstellentreffen in der Klinik