Fachklinik Eußerthal
Fachklinik Eußerthal

Beispiellos: Umsichtig und bedacht

Krankenschwester Annette J. evakuierte alle Patienten aus dem brennenden Gebäude der Fachklinik Eußerthal

In den frühen Morgenstunden des zweiten Juli gegen 2.00 Uhr passiert das Unfassbare: der Dachstuhl und die darrunterliegenden Wohngruppenbereiche im historischen Gebäudeteil der Fachklinik Eußerthal, der Fachklinik für Abhängigkeitserkrankungen der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, brennen lichterloh.
Kurz zuvor leuchtet die Brandmeldeanlage im Dienstzimmer des Pflegedienstes auf und Annette J., die diensthabende Schwester, versteht nun ihre, schon bei Dienstantritt, gespürte, innere Anspannung. Der Brandalarm ertönt fast gleichzeitig und Annette J. schnappt sich den Notfallrucksack, der immer bereit steht, die aktuelle Patientenliste, die alle anwesenden Patienten in der Klinik erfasst und hastet damit den Flur entlang. Zuerst öffnet sie den vorgeschriebenen Notausgang, die große Südtür des Gebäudes, die in den Hof hinausführt. Was im Fall eines Brandalarms zu tun ist, ist ihr klar; denn das wird jeden Samstag mit den neu aufgenommenen Patienten der laufenden Woche eingeübt.
Durch die Haussprechanlage sagt sie den Brandalarm an, bittet die Patienten, sich schnell, aber ohne Panik zum Notausgang zu begeben. Damit sie den Prozess der Evakuierung begleiten kann, bittet sie einen Patienten, den vorgegebenen Text weiter durch die Sprechanlage zu verlesen. Das tut dieser eindrücklich und immer wieder, während das Brandalarmsignal weiter tönt.
Sie leitet alle Patienten in die vom Brandort entfernt liegende Turnhalle, die sie aufgeschlossen hat, bittet sie, sich Matten zu holen, sich gruppenweise zu versammeln, ruhig zu bleiben, sich zu setzen und zu warten.
Immer wieder kontrolliert sie die Namen der Anwesenden, stellt fest, wer noch fehlt. Inzwischen sind die ersten Feuerwehren aus den naheliegenden Stützpunkten eingetroffen und positionieren ihre Einsatzwagen. Auch der alarmierte diensthabende Arzt in Bereitschaft der Fachklinik, hat sich sofort auf den Weg gemacht und ist eingetroffen, um gemeinsam mit dem vor Ort wohnenden Abteilungsarzt der Fachklinik, der durch den Alarm ebenfalls geweckt wurde, zu unterstützen. Annette J. macht sich nach und nach ein Bild davon, wen sie noch vermisst und teilt dem stellvertretenden Einsatzleiter der Feuerwehr die Namen dieser Patienten und deren Zimmernummern mit. Die Feuerwehrleute, die sich im Gebäude jedoch kaum auskennen, machen sich auf die Suche nach den bislang Vermissten. Es fehlen noch sieben Menschen. Die Zeit, die bis zum Eintreffen dieser Patienten in der Turnhalle vergeht, wird Annette J. nie vergessen. Immer wieder zählt sie die Patienten durch, streicht erleichtert den Namen von der Liste, wenn endlich wieder ein bis dahin unauffindbarer Patient eintrifft. Nach einer knappen Stunde sind alle, auch die, die den Alarm verschlafen hätten und von den Feuerwehrleuten geweckt werden mussten, in der Turnhalle angekommen.
Dann geht sie, begleitet von Feuerwehrleuten auf eigene Verantwortung noch einmal, geschützt durch einen Helm, in den Gebäudetrakt, um Medikamente, u.a. auch benötigtes Insulin, für die Patienten herauszuholen. Zum ersten Mal bemerkt sie, dass ihr die Beine zittern.

Zurück in der Turnhalle werden manche Patienten unruhig, andere beginnen zu weinen, Annette J. versorgt sie in Zusammenarbeit mit den inzwischen vom Deutschen Roten Kreuz angelangten Helfern und den Ärzten der Fachklinik. Nach wie vor fühlt sie sich innerlich ganz ruhig. Alles hat planmäßig geklappt. Niemand ist verletzt worden. Alle Menschen sind aus dem brennenden Gebäudeteil unverwundet herausgekommen.
Die Löscharbeiten schreiten voran, mehrere Feuerwehren, Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk aus Kreis und Stadt mit insgesamt 177 Rettungskräften und 46 Fahrzeugen sind nun am Brandort tätig. Auch die Polizei ist eingetroffen, befragt Annette J. zum Geschehen. Sie schildert, was sie erlebt hat.

Gegen 8.30 Uhr fährt Annette J. nach Hause. Dort trifft sie auf ihre Eltern, die in ihrer Nachbarschaft wohnen und sie sehnlichst erwarten. Auch ihre beiden Kinder sind froh, die Mama unversehrt in die Arme schließen zu können. Es hilft ihr sehr, das Erlebte mit dem Vater und der Mutter zu besprechen. Denn jetzt erst bemerkt sie, welche Aufregung, welche Anspannung sich in ihr angestaut hat.
"Da hatte ich für so viele Menschen die Verantwortung und musste in einem solchen Krisenmoment alleine zurechtkommen", sagt sie am Tag nach dem Brand.
"Aber", so teilt sie auch mit, "Es ist im Nachhinein ein gutes Gefühl für mich selbst, es geschafft zu haben. Das macht mich auch stark, zeigt mir, dass ich Krisen meistern kann." Dass sie Krisen managen kann, das hat Annette J. ganz sicher bewiesen.

Ihr gebührt Dank und Anerkennung für ihr umsichtiges Verhalten in der Brandnacht: Annette J., Krankenschwester in der Fachklinik Eußerthal
Deutsche Rentenversicherung

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